Mein größtes Problem ist nicht die Strategie

Eigentlich habe ich mittlerweile ein ziemlich klares System dafür, wann ich einen Trade eingehen möchte.

Ich habe mir Gedanken über Trend, Einstieg, Positionsgröße und Risiko gemacht. Ich habe meine Regeln aufgeschrieben und mir sogar ein eigenes Formular gebaut, das ich vor einem Trade ausfüllen kann.

Eigentlich müsste es also ganz einfach sein:

Bedingungen erfüllt → Trade.
Bedingungen nicht erfüllt → kein Trade.

Eigentlich.

Denn genau das schaffe ich derzeit noch nicht konsequent.


Ich finde immer wieder einen Grund für eine Ausnahme

Das Interessante daran ist: Mir fehlt nicht das Wissen.

Ich weiß meistens ziemlich genau, wenn ein Trade nicht vollständig zu meinem System passt.

Aber dann beginnt die Diskussion mit mir selbst.

Die Prämie ist besonders attraktiv.

Die Aktie finde ich langfristig interessant.

Der Chart sieht doch eigentlich gar nicht so schlecht aus.

Oder ich denke einfach:

„Dieses eine Mal kann ich eine Ausnahme machen.“

Und genau darin liegt momentan wahrscheinlich meine größte Schwäche.

Ich habe ein System – aber ich handle es noch nicht konsequent.


Selbst mein Formular schützt mich nicht davor

Genau deshalb hatte ich mir mein Trading-Formular erstellt.

Die Idee war, vor jedem Trade die gleichen Punkte abzuarbeiten und dadurch weniger aus dem Bauch heraus zu entscheiden.

Aber ein Formular bringt natürlich nur etwas, wenn man sich anschließend auch an das Ergebnis hält.

Wenn ein Kriterium nicht passt und ich den Trade trotzdem eröffne, kann ich mir die Checkliste eigentlich auch sparen.

Das klingt banal.

Aber genau das passiert mir noch.


Das Problem mit den Ausnahmen

Ein einzelner Trade außerhalb meines Systems ist zunächst nicht dramatisch.

Das eigentliche Problem kommt später.

Wenn ich ständig Ausnahmen mache, kann ich irgendwann gar nicht mehr beurteilen, ob mein System funktioniert.

War die Strategie schlecht?

Oder habe ich mich einfach nicht daran gehalten?

Genau deshalb möchte ich künftig weniger an meinem System verändern und stattdessen erst einmal versuchen, mein bestehendes System wirklich zu handeln.


Auch Nichtstun gehört dazu

Vielleicht ist genau das der schwierigste Punkt.

Wenn ich Kapital zur Verfügung habe, möchte ich einen Trade machen.

Ich suche Aktien, schaue mir Optionsketten an und finde irgendwann fast immer etwas, das interessant aussieht.

Dabei müsste es eigentlich andersherum sein:

Ich sollte nicht nach einem Grund suchen, einen Trade zu machen.

Der Trade sollte meine Bedingungen erfüllen.

Und wenn ich keinen finde, dann mache ich eben keinen.

Auch wenn das bedeutet, dass eine Woche lang nichts passiert.


Mein eigentliches Ziel

Mein nächster Schritt ist deshalb nicht der nächste Indikator, ein neuer Screener oder eine weitere Strategie.

Mein Ziel ist viel einfacher:

Mich an meine eigenen Regeln halten.

Bei jedem Trade dieselben Bedingungen prüfen.

Keine Kriterien passend machen, nur weil ich die Aktie gerade interessant finde.

Und akzeptieren, dass manchmal eben kein Trade zustande kommt.

Ich bin an diesem Punkt noch nicht.

Aber vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis:

Ein Trading-System zu entwickeln ist einfach.
Es konsequent zu handeln, ist verdammt schwer.

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