GOOGL, Netflix und DexCom – handeln oder einfach abwarten?

Manchmal ist nichts tun die schwierigste Entscheidung an der Börse.

Aktuell habe ich gleich drei Positionen im Depot, bei denen ich entscheiden muss, wie es weitergeht: Alphabet, Netflix und DexCom.

Bei allen drei Aktien ist die Ausgangslage unterschiedlich. Trotzdem läuft es am Ende auf dieselbe Frage hinaus:

Soll ich aktiv werden – oder einfach warten?


Alphabet: Covered Call oder der Aktie Luft lassen?

Alphabet notiert aktuell bei rund 345 USD.

Meine 100 GOOGL-Aktien wurden mir nach einem Cash Secured Put zu einem Strike von 365 USD eingebucht. Durch die zuvor kassierte Optionsprämie liegt mein tatsächlicher Break-even etwas niedriger bei ungefähr 360 USD.

Grundsätzlich könnte ich jetzt anfangen, Covered Calls zu verkaufen.

Das Problem:

Ich bin langfristig weiterhin bullish für Alphabet.

Verkaufe ich beispielsweise einen Covered Call mit einem Strike knapp oberhalb meines Break-even, kassiere ich zwar zusätzliche Prämie. Steigt Alphabet anschließend aber wieder deutlich, begrenze ich mein Aufwärtspotenzial.

Genau hier zeigt sich eine Schwäche der Wheel-Strategie.

Ein Covered Call ist nicht automatisch sinnvoll, nur weil ich 100 Aktien im Depot habe.

Die Prämie darf nicht wichtiger werden als die Entwicklung der Aktie.

Deshalb tendiere ich momentan dazu, bei Alphabet zunächst keinen Covered Call zu verkaufen.

Ich möchte beobachten, ob die Aktie wieder Momentum entwickelt und sich meinem Break-even nähert.

Erst dann wird ein Covered Call für mich wieder interessanter.


Netflix: Geduld wird auf die Probe gestellt

Bei Netflix sieht die Situation anders aus.

Die Aktie notiert mittlerweile nur noch bei rund 80 USD und liegt damit deutlich unter meinem ursprünglichen Einstieg.

Hier habe ich bereits mehrere Covered Calls verkauft und damit zusätzliche Prämien eingenommen.

Das Grundproblem bleibt allerdings bestehen:

Je weiter der Aktienkurs unter meinem Einstand liegt, desto schwieriger wird es, einen attraktiven Covered Call zu finden.

Wähle ich einen niedrigen Strike, erhalte ich zwar eine vernünftige Prämie, riskiere aber, dass mir die Aktien weit unter meinem ursprünglichen Einstand ausgebucht werden.

Wähle ich dagegen einen hohen Strike, ist die Prämie häufig kaum noch interessant.

Auch hier lautet meine aktuelle Strategie deshalb:

Geduldig bleiben und nicht jeder Prämie hinterherlaufen.

Netflix ist für mich mittlerweile ein gutes Beispiel dafür, dass die Wheel-Strategie keineswegs eine risikolose Einkommensstrategie ist.

Das eigentliche Risiko liegt nicht beim Optionskontrakt.

Das eigentliche Risiko ist die Aktie.


DexCom: Am Freitag wird es interessant

Die dritte Position ist DexCom.

Hier läuft am kommenden Freitag mein Cash Secured Put aus.

  • Strike: 90 USD
  • Aktueller Aktienkurs: knapp 85 USD
  • Prämie: 210 USD
  • Break-even: ca. 87,90 USD

Damit liegt die Aktie aktuell unter meinem Break-even und der Put befindet sich im Geld.

Wenn sich bis Freitag nichts mehr verändert, muss ich damit rechnen, dass mir 100 DXCM-Aktien zu 90 USD eingebucht werden.

Jetzt könnte ich versuchen, den Put nach hinten und eventuell auf einen niedrigeren Strike zu rollen.

Aber auch hier stellt sich für mich die entscheidende Frage:

Warum habe ich den Cash Secured Put ursprünglich verkauft?

Die Antwort ist relativ einfach:

Ich war bereit, DexCom zu diesem Preis zu kaufen.

Genau deshalb möchte ich einen Put nicht reflexartig rollen, nur weil er ins Geld läuft.

Sollte sich an meiner Einschätzung des Unternehmens nichts grundlegend geändert haben, kann die Einbuchung durchaus die konsequentere Entscheidung sein.

Anschließend könnte ich – bei entsprechender Kursentwicklung – mit Covered Calls weiterarbeiten.


Drei Positionen – drei unterschiedliche Entscheidungen

Gerade diese drei Aktien zeigen für mich sehr schön, warum Optionshandel nicht einfach daraus besteht, möglichst viele Prämien einzunehmen.

Bei Alphabet möchte ich aktuell vermeiden, das mögliche Aufwärtspotenzial durch einen Covered Call unnötig zu begrenzen.

Bei Netflix ist Geduld gefragt, weil attraktive Covered Calls bei dem niedrigen Aktienkurs schwierig geworden sind.

Und bei DexCom muss ich entscheiden, ob ich die mögliche Einbuchung akzeptiere oder den Put rolle.

Meine wichtigste Erkenntnis daraus:

Nicht jede Position braucht ständig eine neue Option.

Manchmal ist der beste Trade tatsächlich kein Trade.

Gerade bei Covered Calls möchte ich deshalb künftig stärker darauf achten, ob die Aktie technisch überhaupt in einer Situation ist, in der ich mein Aufwärtspotenzial begrenzen möchte.

Denn mein Ziel ist nicht, möglichst viele Optionsprämien zu kassieren.

Mein Ziel ist es, langfristig eine möglichst gute Gesamtrendite zu erzielen.

War dieser Artikel hilfreich?