Ein Jahr Optionshandel: Was bleibt nach Steuern wirklich übrig?
Im April 2025 habe ich meine erste Option bei Interactive Brokers verkauft. Damals ging es mir vor allem darum, mit der Wheel-Strategie regelmäßige Prämieneinnahmen zu erzielen.
Mittlerweile ist mein erstes Steuerjahr mit Optionshandel abgeschlossen – zumindest was die Steuererklärung betrifft. Diese habe ich gerade über ELSTER abgegeben.
Zeit für einen Rückblick: Wie viel habe ich tatsächlich verdient, welche Steuern fallen an und wie kompliziert ist die Steuererklärung mit einem ausländischen Broker?
Meine Ergebnisse aus 2025
Mein Steuerreport für 2025 zeigt folgendes Bild:
| Position | Ergebnis |
|---|---|
| Gewinne aus verkauften Optionen | +4.472,33 € |
| Verluste aus verkauften Optionen | −580,77 € |
| Optionshandel vor Steuern | +3.891,56 € |
| Realisierte Aktiengewinne | +789,64 € |
| Währungsgewinne und -verluste | −691,68 € |
| Dividenden | +64,26 € |
| Zinsen | +14,16 € |
| Steuerliches Gesamtergebnis | +4.067,93 € |
Besonders interessant finde ich die Aufteilung.
Mit dem eigentlichen Optionshandel habe ich knapp 3.900 € vor Steuern verdient. Zusätzlich kamen realisierte Aktiengewinne hinzu.
Was ich zunächst unterschätzt hatte, waren die Währungseffekte. Da mein Depot bei Interactive Brokers überwiegend in US-Dollar geführt wird, können durch den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar steuerlich relevante Gewinne und Verluste entstehen.
In meinem Fall haben diese das Gesamtergebnis um rund 692 € reduziert.
Wie viel Steuern muss ich bezahlen?
Da Interactive Brokers ein ausländischer Broker ist, wird die deutsche Kapitalertragsteuer nicht automatisch abgeführt.
Ich muss die entsprechenden Kapitalerträge selbst in meiner Einkommensteuererklärung angeben.
Meine vorläufige ELSTER-Steuerberechnung ergibt:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Steuerliches Gesamtergebnis | 4.067,93 € |
| Einkommensteuer auf Kapitalerträge | −1.007,00 € |
| Solidaritätszuschlag auf Kapitalerträge | −55,38 € |
| Ausländische Quellensteuern | −12,47 € |
| Ergebnis nach Steuern | 2.993,08 € |
Die Einkommensteuer berücksichtigt bereits die Anrechnung von 9,64 € ausländischer Quellensteuer. Für die Betrachtung des tatsächlich verbleibenden Ergebnisses habe ich die ausländischen Steuerabzüge separat berücksichtigt.
Von rund 4.068 € steuerlichem Ergebnis bleiben damit ungefähr 3.000 € übrig.
Das entspricht rund 74 %.
Wichtig: Die Zahlen stammen aus meiner eingereichten Steuererklärung und dem Steuerreport. Der endgültige Steuerbescheid liegt noch nicht vor.
Außerdem ist dieses Ergebnis keine vollständige Depotperformance. Nicht realisierte Kursveränderungen und gegebenenfalls separat berechnete Software- oder Datengebühren sind darin nicht berücksichtigt. Die direkt zugeordneten Transaktionskosten sind bereits in den Handelsergebnissen enthalten.
Die eigentliche Herausforderung: Die Steuererklärung
Während der Optionshandel über Interactive Brokers technisch recht unkompliziert funktioniert, sieht es bei der Steuererklärung etwas anders aus.
Interactive Brokers stellt umfangreiche Berichte zur Verfügung. Diese sind aber nicht unmittelbar auf die deutsche Anlage KAP zugeschnitten.
Deshalb habe ich mich für die Steuersoftware BubbleTax entschieden.
Dafür habe ich meine Transaktionen über einen Flex-Query-Export aus Interactive Brokers bereitgestellt. BubbleTax hat daraus einen Steuerreport mit den entsprechenden Beträgen für die Anlage KAP erstellt.
Das war eine große Erleichterung.
Trotzdem gab es einige Fragen, insbesondere bei den Währungsgewinnen und -verlusten.
Warum werden meine US-Dollar steuerlich berücksichtigt?
Ein Punkt hat mich besonders beschäftigt: Warum entstehen steuerlich relevante Währungsgewinne und -verluste, obwohl ich die US-Dollar teilweise gar nicht bewusst zurück in Euro getauscht habe?
BubbleTax behandelt das USD-Guthaben bei Interactive Brokers als Guthaben auf einem grundsätzlich verzinslichen Fremdwährungskonto.
Dadurch können auch bestimmte Verwendungen von USD-Guthaben steuerlich relevant sein.
Ich habe dazu direkt beim Support nachgefragt und eine ausführliche Erklärung erhalten.
Für mich war das ein wichtiger Punkt, denn die Währungsberechnung hatte einen spürbaren Einfluss auf mein steuerliches Ergebnis.
Die genaue steuerliche Behandlung hängt allerdings von den Umständen des jeweiligen Kontos ab und sollte im Zweifelsfall individuell geprüft werden.
War die Steuererklärung kompliziert?
Rückblickend würde ich sagen: Nicht unbedingt kompliziert, aber deutlich aufwendiger als bei einem deutschen Broker.
Die größte Herausforderung bestand darin, die Zahlen und ihre steuerliche Einordnung zu verstehen.
Nachdem der Steuerreport vorlag und die offenen Fragen geklärt waren, konnte ich die Beträge in ELSTER übernehmen.
Die eigentliche Eingabe in die Anlage KAP war dann überschaubar.
Belege musste ich bei der Abgabe zunächst nicht hochladen. Den Steuerreport, die IBKR-Unterlagen und die Erläuterungen zur Berechnung bewahre ich selbstverständlich auf.
Mein Fazit nach dem ersten Steuerjahr
Für mich hat sich der Einstieg in den Optionshandel gelohnt.
Nach Berücksichtigung aller realisierten Gewinne und Verluste sowie der voraussichtlichen Steuerbelastung bleiben mir aus meinem ersten Handelsjahr rund 3.000 € übrig.
Für mich ist das ein erfreuliches Ergebnis, zumal ich erst im April 2025 mit dem Optionshandel begonnen habe.
Dabei ist mir bewusst, dass die rund 3.000 € nicht ausschließlich aus dem Optionshandel stammen, sondern das gesamte steuerliche Ergebnis meines IBKR-Depots nach Steuern darstellen.
Gleichzeitig habe ich gelernt, dass die vereinnahmten Optionsprämien nicht mit dem tatsächlichen Gewinn gleichzusetzen sind.
Verluste, Währungseffekte, Gebühren und Steuern gehören genauso zur Betrachtung wie die Prämieneinnahmen.
Drei Erkenntnisse nehme ich aus meinem ersten Steuerjahr mit:
- Optionsprämien sind nicht gleich Gewinn. Entscheidend ist das Gesamtergebnis nach Verlusten und Kosten.
- Ein ausländischer Broker erfordert zusätzliche Arbeit. Mit einem geeigneten Steuerreport ist die Erklärung aber machbar.
- Steuern gehören zur Renditebetrachtung. Erst nach Abzug der Steuerbelastung zeigt sich, was tatsächlich übrig bleibt.
Ich werde auch künftig meine Optionsgeschäfte dokumentieren und meine Ergebnisse auf ProfitStocks veröffentlichen – einschließlich der weniger erfolgreichen Trades.
Denn langfristig interessiert mich nicht, wie viele Prämien ich eingenommen habe, sondern wie viel Vermögen ich mit meiner Strategie tatsächlich aufbauen kann.
Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen und stellt keine steuerliche Beratung dar. Die dargestellten Steuerbeträge basieren auf meiner vorläufigen Steuerberechnung für 2025.
War dieser Artikel hilfreich?