Warum ich vor jedem Trade jetzt eine Checkliste ausfülle
Noch vor einiger Zeit habe ich Aktien oft nach Gefühl gekauft.
War eine Aktie stark gefallen, erschien sie plötzlich günstig. Hatte ich einen spannenden Bericht auf YouTube gesehen oder gute Quartalszahlen entdeckt, landeten schnell wieder 1.000 € oder 2.000 € im nächsten Unternehmen.
Mit der Zeit wurde mein Depot immer größer – aber auch immer unübersichtlicher.
Heute würde ich vieles davon anders machen.
Nicht weil ich plötzlich den Markt besser vorhersagen kann, sondern weil sich mein Entscheidungsprozess verändert hat.
Der Weg vom Bauchgefühl zum System
In den vergangenen Monaten habe ich mich intensiv mit dem Optionshandel und der Wheel-Strategie beschäftigt.
Dabei ist mir eines immer deutlicher geworden:
Nicht der einzelne Trade entscheidet über den langfristigen Erfolg – sondern die Qualität der Entscheidung vor dem Trade.
Genau deshalb wollte ich einen festen Prozess entwickeln.
Eine Art Checkliste, die ich vor jeder Position durchgehe.
Nicht um den perfekten Trade zu finden, sondern um emotionale Entscheidungen zu reduzieren.
Meine neue Trade-Checkliste
Heute dokumentiere ich bei jedem Trade deutlich mehr als nur Strike, Delta oder Laufzeit.
Ich prüfe unter anderem:
- 📈 Trend nach der Weinstein-Methode
- 🏢 Fundamentaldaten des Unternehmens
- 📊 Bewertung der Aktie
- ⚙️ Qualität des Options-Setups
- 🎯 Eignung für die Wheel-Strategie
- 💡 Meinen persönlichen Investment Case
Dadurch entsteht für jeden Trade eine nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage.
Die Weinstein-Methode als Trendfilter
Eine der größten Veränderungen ist für mich die technische Analyse nach Stan Weinstein.
Früher habe ich häufig versucht, gefallene Aktien zu kaufen.
Heute frage ich mich zuerst:
- Befindet sich die Aktie überhaupt in einem Aufwärtstrend?
- Liegt der Kurs über der 30-Wochen-Linie?
- Steigt die 30-Wochen-Linie noch?
- Bestätigt das Volumen den Trend?
Die Aktie muss nicht perfekt sein.
Aber sie sollte zu meiner Strategie passen.
Nicht jede gute Aktie ist automatisch ein guter Trade
Ein Unternehmen kann hervorragende Quartalszahlen veröffentlichen und trotzdem kein gutes Setup für meine Wheel-Strategie sein.
Deshalb schaue ich inzwischen auf mehrere Bereiche gleichzeitig.
Unternehmen
- Verstehe ich das Geschäftsmodell?
- Wachsen Umsatz und Gewinn?
- Ist der Free Cashflow positiv?
- Ist die Verschuldung akzeptabel?
Bewertung
- Ist die Aktie attraktiv bewertet?
- Liegt sie unter ihrer historischen Bewertung?
- Befindet sie sich gerade in einer Euphoriephase?
Optionen
- Ist die Optionsliquidität ausreichend?
- Sind die Bid-/Ask-Spreads eng?
- Ist die Prämie attraktiv?
- Liegen während der Laufzeit Earnings an?
Erst das Zusammenspiel dieser Punkte ergibt für mich ein gutes Setup.
Der wichtigste Punkt: Würde ich die Aktie wirklich besitzen wollen?
Bei einem Cash Secured Put besteht immer die Möglichkeit einer Einbuchung.
Deshalb stelle ich mir inzwischen eine einfache Frage:
Würde ich diese Aktie heute auch kaufen, wenn sie mir morgen eingebucht wird?
Wenn die Antwort Nein lautet, sollte ich den Put wahrscheinlich ebenfalls nicht verkaufen.
Allein diese Frage hat meine Auswahl der Aktien bereits deutlich verändert.
Jeder Trade bekommt einen Investment Case
Neben den objektiven Kriterien gibt es einen Punkt, den ich besonders spannend finde.
Den Investment Case.
Hier halte ich fest, warum ich den Trade überhaupt eröffne.
Nicht mit einem Satz wie:
"Die Prämie war gut."
Sondern mit einer nachvollziehbaren Begründung.
Zum Beispiel:
- Warum passt die Aktie aktuell?
- Welche Chancen sehe ich?
- Welche Risiken nehme ich bewusst in Kauf?
Dadurch entsteht mit jedem Trade ein kleines Investment-Tagebuch.
Aus Fehlern lernen
Nach Abschluss eines Trades endet die Dokumentation nicht.
Ich ergänze zusätzlich einen Trade Review.
Dabei beantworte ich Fragen wie:
- Hat sich meine ursprüngliche These bestätigt?
- Was lief gut?
- Was habe ich gelernt?
- Was würde ich beim nächsten Trade anders machen?
Ich glaube, genau dieser Teil wird langfristig der wertvollste sein.
Denn gute Anleger entstehen nicht dadurch, dass jeder Trade funktioniert, sondern dadurch, dass sie aus ihren Entscheidungen lernen.
Mein Depot verändert sich
Parallel dazu verändert sich auch meine gesamte Anlagestrategie.
Früher bestand mein Depot aus vielen Einzelaktien.
Heute verfolge ich einen deutlich klareren Ansatz:
- 📈 ETFs für den langfristigen Vermögensaufbau
- 💰 Optionen für regelmäßigen Cashflow
- 🎯 Wenige, sorgfältig ausgewählte Einzelaktien für die Wheel-Strategie
Jede Position muss inzwischen einen klaren Investment Case erfüllen.
Mein Fazit
Die Trade-Checkliste garantiert keine erfolgreichen Trades.
Aber sie hilft mir dabei, konsequenter zu investieren, emotionale Entscheidungen zu vermeiden und meine Strategie kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Vielleicht wird sie sich in den nächsten Jahren noch mehrfach verändern.
Doch schon heute merke ich, dass ich anders über Investments nachdenke als noch vor einem Jahr.
Nicht jeder Trade wird ein Gewinner.
Aber jede Entscheidung soll nachvollziehbar sein.
Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse ich nach den nächsten 100 dokumentierten Trades aus meiner eigenen Datenbank gewinnen werde.