Wenn die Börse fällt: Warum Panik selten ein guter Ratgeber ist

An den Börsen geht es derzeit turbulent zu. Besonders Technologieaktien stehen unter Druck, die Kurse schwanken stark und die Unsicherheit unter Anlegern nimmt zu. Am 5. November verlor der S&P 500 rund 3,9 %, der Nasdaq sogar 5,2 %.

Solche Tage sind unangenehm. Gerade wenn man täglich auf sein Depot schaut, können größere Kursverluste schnell verunsichern.

Doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Kurskorrekturen sind keine Ausnahme, sondern ein normaler Bestandteil der Börse.

Wie häufig fällt der S&P 500?

Eine historische Auswertung von Capital Group untersucht Kursrückgänge des S&P 500 zwischen 1954 und 2025.

KursrückgangDurchschnittliche Häufigkeit
Mindestens 5 %Etwa zweimal pro Jahr
Mindestens 10 %Etwa alle 18 Monate
Mindestens 15 %Etwa alle 3 Jahre
Mindestens 20 %Etwa alle 6 Jahre

Quelle: Capital Group, S&P 500, Zeitraum 1954–2025.

Besonders interessant: Ein Rückgang von 10 % ist historisch betrachtet nichts Außergewöhnliches. Selbst ein Minus von 20 % gehört langfristig zum Aktienmarkt dazu.

Eine weitere Untersuchung von TIAA zeigt, dass der S&P 500 seit 1928 innerhalb eines Kalenderjahres durchschnittlich rund 16 % von seinem zwischenzeitlichen Höchststand verloren hat.

Das bedeutet nicht, dass jedes Jahr mit einem solchen Verlust endet. Häufig erholen sich die Kurse wieder, bevor das Jahr vorbei ist.

Warum wir trotzdem nervös werden

Verluste fühlen sich deutlich unangenehmer an als Gewinne in gleicher Höhe.

Steigt das Depot um 5 %, freuen wir uns. Fällt es anschließend um 5 %, beginnen wir möglicherweise schon, unsere Strategie infrage zu stellen.

Dabei hat sich an den langfristigen Aussichten eines breit gestreuten Aktienmarktes durch wenige schwache Handelstage nicht zwangsläufig etwas verändert.

Natürlich kann niemand vorhersagen, ob aus einem Rückgang von 5 % eine Korrektur von 10 % oder sogar ein Bärenmarkt wird.

Genau deshalb ist es wichtig, bereits vor solchen Phasen einen Plan zu haben.

Was ich aus solchen Marktphasen gelernt habe

Inzwischen habe ich gelernt, dass an der Börse jederzeit alles passieren kann. Auch vermeintlich sichere Qualitätsaktien können innerhalb weniger Tage deutlich an Wert verlieren.

Für mich sind deshalb fünf Dinge besonders wichtig:

  1. Ruhe bewahren: Nicht jede rote Zahl erfordert eine Handlung.
  2. Qualität beachten: Langfristig zählen solide Unternehmen und ihre wirtschaftliche Entwicklung.
  3. Positionsgrößen begrenzen: Einzelne Aktien sollten das Depot nicht dominieren.
  4. Der eigenen Strategie folgen: Wer nach klaren Regeln investiert, sollte diese auch in schwierigen Phasen einhalten.
  5. Risiken akzeptieren: Kursverluste gehören zum Investieren. Entscheidend ist, dass sie finanziell und psychologisch tragbar bleiben.

Ruhe bewahren bedeutet allerdings nicht, Verluste grundsätzlich auszusitzen. Wenn eine Aktie die eigenen Verkaufskriterien erfüllt oder sich die fundamentale Situation verschlechtert, kann ein Verkauf durchaus sinnvoll sein.

Der Unterschied liegt darin, ob wir aufgrund unserer Strategie handeln oder aus Angst.

Fazit: Korrekturen gehören dazu

Die Börse bewegt sich nicht geradlinig nach oben. Rückschläge sind der Preis, den Anleger für die langfristigen Renditechancen des Aktienmarktes akzeptieren müssen.

Historisch hat sich der S&P 500 auch von schweren Krisen immer wieder erholt. Eine Garantie für die Zukunft ist das natürlich nicht, und einzelne Aktien können dauerhaft an Wert verlieren.

Gerade in turbulenten Marktphasen lohnt es sich deshalb, weniger auf die täglichen Schlagzeilen und mehr auf die eigene Anlagestrategie zu schauen.

Mein wichtigster Gedanke dabei: Nicht der nächste Kursrückgang entscheidet über den langfristigen Anlageerfolg, sondern vor allem, wie wir damit umgehen.


Quellen: Capital Group – How to Handle Market Declines (2026); TIAA / Morningstar Direct – Historical S&P 500 Drawdowns (1928–2025); Associated Press – Marktbericht vom 5. November 2026.

Hinweis: Dieser Artikel stellt meine persönliche Einschätzung dar und ist keine Anlageberatung.

War dieser Artikel hilfreich?